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Die chronische Gewebeübersäuerung beim Pferd als Ursache und Begleitsymptom unterschiedlichster Beschwerden und Erkrankungen

Diagnostik durch einen einfachen Urintest und gezielte Therapie

Grundlagen einer chronischen Übersäuerung und das klinische Bild beim Pferd

Die Säureaufnahme findet häufig über das Futter statt. Der Körper neutralisiert die aufgenommenen Säuren zunächst unter Zuhilfenahme der Mineralstoffdepots. Saure Schlacken, die aus einer Überforderung des Organismus heraus nicht mehr ausgeschieden werden können, werden dann häufig im Gewebe, besonders im Bindegewebe eingelagert.

Von einer Übersäuerung ist auch die Verdauung betroffen. Bei einer gestörten Verdauung entstehen durch Gärung und Fäulnisprozesse zunehmend weitere Säuren. Auch ein erhöhter Indikanwert, der im Rahmen der Pyrroluriediagnostik mitbestimmt wird, kann ein Indiz für eine Übersäuerung sein. Der Darm entledigt sich dieser Säuren in der Regel mit Hilfe von Durchfällen. Zudem wird vermehrt CO2 abgeatmet. Die Ausscheidung über den Harn nimmt eine zentrale Rolle ein und stellt auch die Grundlage unserer Testung dar. Können die Säuren nur noch unzureichend ausgeschieden werden, deponiert sie der Körper im Gewebe, insbesondere im Bindegewebe, später auch in den Gelenken, den Sehnen, Bändern und Muskeln. In der Muskulatur sind zunächst vorwiegend wenig gebrauchte Muskeln betroffen. Die Folge sind ständig verspannte Muskeln, Verspannungsschmerzen und Abwehrreaktionen vom Pferd.

Eine chronische Übersäuerung bedingt eine Vielzahl weiterer Erkrankungen, die wiederum abhängig sind vom Stadium der Übersäuerung und die im Folgenden ohne Anspruch auf Vollständigkeit aufgelistet sind.

Die Auslöser für eine Übersäuerung sind häufig Fütterungsfehler, insbesondere eine zu eiweißlastige Ernährung, zu wenig Muskelarbeit bzw. Bewegung und häufig auch Mineralstoffmangel. Auch bei Sportpferden kommt eine chronische Übersäuerung häufig vor. Grund hierfür kann auch ein unzureichendes Einspeicheln spezieller Kraftfutter sein. Speichel enthält Bicorbanat zur Pufferung der Magensäure. Daher ist intensives Kauen und Einspeicheln des Futters wichtig. Je rauer das Futter (Heu ist raues Futter), desto mehr Bicarbonat wird eingebracht. Das Einspeicheln ist somit wichtig für das Magen- und Darmmilieu. Kraftfuttergaben bedeuten gleichzeitig weniger Kauschläge. Die Folge ist ein geringerer und damit saurer pH-Wert im Magen und bilden so die Grundlage für Magengeschwüre und „Koppen“, welches ein häufiges Phänomen bei Hochleistungspferden und auch deren Fohlen ist.

Eine manifeste Azidose, bei der der pH-Wert von Blut und Gewebe in den sauren Bereich abgleitet, tritt nur höchst selten auf und ist lebensbedrohlich. Dennoch gibt es Vorstufen zu diesem Zustand, etwa dann, wenn die Pufferkapazität des Blutes bis an die Grenzen ausgereizt wird. Da bei einem Abfall des Blut-pH-Werts der gesamte Organismus gefährdet wäre, ist es physiologisch von höchster Priorität, die Blutpufferkapazität wieder herzustellen.

Hierfür kann der Organismus basische Mineralsalze zur Neutralisation der überschüssigen Säuren heranziehen. Reichen diese aber nicht mehr aus (Mineralstoffmangel), stellen die temporäre Einlagerung von sauren Schlacken in Knorpel- und Bindegewebe oder die Ausscheidung überschüssiger Säuren über die Nieren wirksame Notmaßnahmen des Körpers dar, um einer drohenden Übersäuerung des Blutes entgegenzuwirken. Wird der Körper über längere Zeit mit sauren Stoffwechselprodukten überlastet, sinken seine Reserven, um diese Säuren abzupuffern, eine chronische Gewebeübersäuerung ist die Folge.

Die wichtigsten Krankheitssymptome sind im Folgenden aufgelistet und treten auch in Abhängigkeit zum jeweiligen Stadium der chronischen Übersäuerung auf:

Später treten häufig auch Allergien, Ekzeme, hoher Blutdruck und Cholesterinspiegel, Arthrosen, sowie Bandscheibenleiden auf und schließlich Osteoporose, Herzkrankheiten, Drüsenerkrankungen, Einschuss, nicht abheilende Wunden, grauer/grüner Star und Gehörsturz.

Relevanz der Pufferkapazität des Urins in der Diagnostik einer latenten Übersäuerung

Zur Bestimmung einer latenten Übersäuerung führen einfache pH-Messungen (Teststäbchen) nicht zum Ziel. Hierbei wird nämlich nur der aktuelle pH-Wert einer Urinprobe bestimmt, ohne Aussagen über die Aufnahmekapazität für Säuren oder Basen zu ermitteln. So kann die Pufferkapazität schon fast vollständig erschöpft sein, trotzdem werden noch normale pH-Werte gemessen. Auch bei normalen pH‑Messwerten kann es demnach sein, dass eine latente Übersäuerung vorliegt, wenn der Körper nicht in der Lage ist, mit der Nahrung und im Stoffwechsel anfallende Säuren durch eine nachfolgende Basenflut abzupuffern. In diesem Falle ist es möglich, dass bereits Säuren bzw. deren Salze im Bindegewebe oder Organen abgelagert wurden.

Damit die physiologischen Vorgänge innerhalb des Organismus optimal funktionieren können, muss ein empfindliches Gleichgewicht von Säuren und Basen eingehalten werden. Das biologische Gleichgewicht von Säuren und Basen liegt im Blut und den meisten Geweben im leicht Basischen bei pH 7,4 und ist entscheidend für Struktur und korrekte Funktion von Proteinen, Enzymen, Membranen und die Verteilung von Mineralstoffen und Elektrolyten.

Durch die Zellatmung und Stoffwechselendprodukte entstehen ständig neue Säuren, die neutralisiert und wieder aus dem Körper entfernt werden müssen. Zur Erhaltung des Säure-Basen-Haushalts stehen dem Organismus verschiedene Regulierungsmöglichkeiten, wie z.B. das Abatmen von CO2 durch die Lunge oder die Ausscheidung von Stoffwechselendprodukten über die Haut, Nieren und Darm zur Verfügung. Den Abtransport der sauren Komponenten übernimmt das Blut. Die Pufferkapazität des Blutes ermöglicht die Einhaltung des leicht alkalischen Milieus trotz vorübergehender Mehrbelastung mit Säure.

Der Säure-Basen-Test zur Testung einer latenten Gewebeübersäuerung modifiziert nach Sander

Der Organismus ist bestrebt die Pufferkapazität des Blutes möglichst lange aufrechtzuerhalten und hält diese deshalb bis zum Äußersten stabil. Dagegen erlaubt eine Messung der Pufferkapazität des Urins schon viel früher ein Ungleichgewicht im Säure-Basen-Haushalt festzustellen.

Der Säure-Basen-Test nach Sander wird von uns seit Langem in der Humandiagnostik erfolgreich angewendet. Die Tatsache, dass unsere Haus- und Nutztiere von Zivilisationsbelastungen und -erkrankungen ebenso betroffen sind wie Menschen, hat den Ausschlag gegeben, dass wir den „Sandertest“ so modifiziert haben, dass er für eine Einschätzung einer Übersäuerung beim Pferd eingesetzt werden kann. Die genannte Modifizierung bezieht sich dabei insbesondere auf die allgemein höhere Basizität von Pferdeurin im Vergleich zu Humanurin, auf die Bestimmung einer einzelnen Probe (im Gegensatz zum humanen Tagesprofil auf der Grundlage von 5 Proben), auf eine modifizierte Testdurchführung und modifizierte Grenzwerte.

Urinprobenahme beim Pferd

Alle für die Probennahme erforderlichen Gefäße und Materialien erhalten Sie mit der Beauftragung des Testsets. Die Urinproben müssen anschließend im beiliegenden Versandcontainer zusammen mit dem ausgefüllten Untersuchungsauftrag in unser Labor eingeschickt werden. Weitere hilfreiche Hinweise, wie der Urin beim Pferd genommen werden kann, finden Sie auf unserer Testanweisung, die Sie mit den Spezialröhrchen erhalten.

Die Bestellung des Tests und der damit verbundenen Testunterlagen, die auch die Spezialröhrchen umfassen, können Sie bequem über unsere Online-Bestellung abwickeln. Da sowohl die Gewebeübersäuerung als auch die Pyrrolurie eine organübergreifende Symptomatik nach sich ziehen und häufig auch gleichzeitig auftreten, jedoch unterschiedliche Therapiekonzepte nach sich ziehen, ist eine kombinierte Untersuchung auf Pyrrolurie und einer Gewebeübersäuerung aus einer Urinsammlung (2 unterschiedliche Spezialröhrchen) sinnvoll.

Wir freuen uns auch, wenn Sie uns persönlich unter +49-(0)821-455799-0 kontaktieren.
Wir beraten Sie auch gerne persönlich.

Befundinterpretation

Bei unseren Befunden werden die Schlüsse bezüglich einer Übersäuerung aus dem Aziditätsquotient (AQ) und der Gesamtaziditätsquotient (NAQ) gezogen. Sie liefern eine fundierte Aussage zur Pufferkapazität. Der Aziditätsquotient AQ ergibt sich aus der ermittelten Aufnahmekapazität des Urins für Säuren und Basen und ist ein Maß für die im Stoffwechsel angefallenen und im Urin ausgeschiedenen freien Säuren. Da der pH-Wert der Urinproben auch bei übersäuerten Tieren im neutral bis alkalischen Bereich liegen kann, ist der AQ bei gesunden Pferden weit im negativen Bereich (< -60%). Ist der AQ erhöht, liegt eine latente Gewebeübersäuerung vor, während ein normaler AQ ein unauffälliges Säure-Base-Profil widerspiegelt.

Als zusätzliche Messgröße wird der Gesamtaziditätsquotient NAQ ermittelt, der grundsätzlich über dem Wert des AQ liegt und zusätzlich zu den freien Säuren des AQ die an Ammoniak gebundenen und somit neutralisierte Säuren wiedergibt. Die Differenz von NAQ zu AQ, das sogenannte Ammoniakband dient somit als weitere diagnostische Hilfe bei der Bewertung einer Übersäuerung.

So kann beispielsweise bei einem unauffälligen AQ der NAQ stark erhöht sein, und sagt somit aus, dass trotz eines noch gesunden Säure-Base-Haushalts des Tieres im Stoffwechsel massiv Säuren anfallen, welche zwar derzeit noch ausreichend neutralisiert werden können, auf Dauer aber zu einer Übersäuerung führen können. Hier können präventive Maßnahmen z.B. durch entsprechende Fütterung zu einer Stoffwechselentlastung des Tieres führen und der Beginn einer Gewebeübersäuerung verhindert werden.

Therapiemöglichkeiten bei einer festgestellten chronischen Übersäuerung

Die Therapie konzentriert sich in vielen Fällen auf Korrekturen im Fütterungsverhalten, im Bewegungsprogramm und in der Gabe spezieller Präparate. Gemeinsam mit unserem Partner Natusat in Gersthofen (www.natusat.de), der über langjährige Erfahrung in der Pferdefütterung und in der Supplementierung von Mikronährstoffen verfügt, beraten wir Sie gerne. Sowohl Natusat als auch Sension greifen in Ihrer Beratung auch auf tierärztliche Beratung zurück.

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